
Aus ethischen und naturschutzfachlichen Gründen ist der Anbau von Pflanzen, die ausschließlich für die Biogas- oder Biodieselherstellung genutzt werden, ein oft geäußerter Kritikpunkt in Sachen Bioenergieerzeugung. Es wird befürchtet, dass in Zukunft weniger Ackerflächen für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden und damit die Preise für Lebensmittel steigen. Zudem sehen Experten im stark zunehmenden Anbau von Mais und Raps eine Gefährdung für das ökologische Gleichgewicht und die Artenvielfalt.
Ein wichtiges Ziel der Bioenergieregion Bayreuth ist daher, diese Konflikte um die Landnutzung zu vermeiden und konsensfähige Lösungen zu entwickeln.
In Kooperation mit dem Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz und dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken wurden in sechs Modellgemeinden (Creußen, Gößweinstein, Igensdorf, Pegnitz, Plech und Pottenstein) spezielle Konfliktvermeidungstrategien entwickelt. Diese umfassen zum einen detaillierte Bestandsaufnahmen und Potenzialanalysen in Form von so genannten Kulissenplänen und zum anderen die Initiierung moderierter Diskussionsprozesse in den Gemeinden.
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Übergabe der Kulissenpläne an die Kommunen
Im Rahmen einer Pressekonferenz erhielten die sechs Pilotkommunen neben den jeweiligen Kulissenplänen auch einen Sack Saatgut der so genannten Veitshöchheimier Mischung, einer neuartigen Kombination von Energiepflanzen. Im Bild (v.l.n.r.): Anton Hepple, ALE Bamberg, Dr. Ernst Heidrich, AELF Bayreuth, Georg Walter, BBV Bayreuth, Sylvia Tennert, Stadt Pegnitz, Reinhold Meyer, Markt Plech, Helmut Kießling, Markt Gößweinstein, Bernd Rothammel, Bioenergie-Region Bayreuth, Michael Breitenfelder, Wirtschatsband A9 Fränkische Schweiz, Wolfgang Rast, Markt Igensdorf, Harald Mild, Stadt Creußen, Stefan Frühbeißer, Stadt Pottenstein, Dr. Andreas Knorr, AELF Bamberg-Forchheim Foto (c) Alexander Wurditsch, fotolia.com |
Zunächst wurden die natur- und umweltschutzfachlichen Grundlagen sowie die Situation der Bioenergieerzeugung analysiert und daraus Potenziale für die beteiligten Kommunen abgeleitet. Diese wurden ebenso wie die natur- und umweltschutzfachlichen Grundlagen für jede Kommune in Karten im Maßstab 1:40.000 dargestellt. Danach kamen in den sechs Projektgemeinden die Vertreter aus der Land- und Forstwirtschaft, aus dem Naturschutz und aus den Kommunalverwaltungen zusammen, um offen über die Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren. Hier wurde beispielsweise der Ausbau der Abwärmenutzung von bestehenden Biogasanlagen. Zusätzlich wurde der Kulissenplan auch mit den Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden abgestimmt. Jetzt wird vor Ort gemeinsam ausgelotet, welche dieser Möglichkeiten zur umweltgerechten und konfliktfreien Energieerzeugung in Angriff genommen werden sollen.
Aus den gemeinsam erarbeiten Handlungsräumen wurden Modellprojekte abgeleitet, die derzeit in den Kulissenplankommunen umgesetzt werden.
Eines dieser Modellprojekt des Kulissenplans Bioenergie ist die Zusammenarbeit von ILE-Kommunen bei der Heckenpflege zur energetischen Verwertung des Gehölzschnittes. Dies soll für die Kommunen Kosten reduzieren und eine bessere Koordination mit den Heizwerkbetreibern ermöglichen.
Auch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken trägt mit der Durchführung von Flurneuordnungsverfahren im Wald zu besseren Bedingungen für die Bioenergienutzung bei. So kann nun in Körbeldorf im Stadtgebiet Pegnitz mit einer vereinfachten Besitzstruktur u.a. die Ernte von Energieholz erheblich erleichtert werden. Erfolgreich initiiert werden konnte ein Waldflurneuordnungsverfahren auch in Lindenhardt im Stadtgebiet Creußen.
Alternative Energiepflanzen
Ein weiteres Projekte ist der Anbau von alternativen Energiepflanzen. Im Markt Igensdorf war diesen Sommer erstmals die Wildpflanzenmischung der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim auf einem Acker zu sehen. Diese Mischung liefert nicht nur gut verwertbare Erträge für eine Biogasanlage, sie bietet auch den ganzen Sommer über ein reichhaltiges Nektarangebot für Bienen. Ebenso finden zahlreiche andere Tierarten wie Vögel und Fledermäuse Nahrung und Lebensraum. Die Pflanzen, die mehrere Jahre lang genutzt werden können und auch im Winter den Boden bedecken, tragen zusätzlich zum Erosionsschutz bei. Das Spritzen mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht nötig. Ein weiterer Vorteil der Mischung ist, dass nur einheimische Wildpflanzen und erprobte Kulturpflanzen wie die Sonnenblume verwendet werden. Dadurch besteht keine Gefahr der ungewollten Ausbreitung von fremdländischen Pflanzen.
Nun wollen die Kommunen den Versuchsanbau ausweiten. Unterstützt wird dies im kommenden Jahr durch das Angebot der Wildland-Stiftung Bayern, das Saatgut zu fördern (bis zu 300€/ha). Interessierte Landwirte können sich bereits jetzt bei ihren Kommunen oder beim Wirtschaftsband A9 (09241-72313 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ) melden.
Weitere Informationen dazu gibt es bei einer Vortragsveranstaltung zum Anbau alternativer Energiepflanzen am 8. Februar 2012 um 19:30 Uhr im Bürgerzentrum der Stadt Pegnitz (Hauptstraße 73). Dort wird ein Referent, der die Pflanzenmischung in Veitshöchheim mitentwickelt und erprobt hat, alle Fragen zum Anbau und zur Verwertung der Wildpflanzen beantworten. Die Teilnahme ist kostenlos und unverbindlich.


